Wie ich zu Katzen kam – oder die Katzen zu mir

Seit ich denken kann, gab es in meinem Leben Tiere. Das lag zuerst einmal daran, dass meine Mutter absolut tierverrückt ist. So  kam sie immer wieder mal nicht nur mit Tierfutter, sondern auch mit einem neuen Mitbewohner aus dem Zooladen zurück. Irgendwann fanden die Tiere sie (das Kaninchen auf der Straße, der Hahn im Wald, etc.). Und natürlich wussten Nachbarn, Freunde und Verwandte, dass bei uns immer noch ein Plätzchen für heimatloses Tier war, egal ob mit Fell, Federn oder Schuppen. Nur Katzen, die hatten wir nicht.

Das lag an meiner Großmutter, die sich vor Katzen ekelte. „Katzen springen überall hin, lecken das Essen ab und sind einfach unsauber.“ So sehr ich auch bettelte, sie gab nicht nach. Hunde, Meerschweinchen, Schildkröten, Sittiche, alles wurde, wenn auch zähneknirschend, akzeptiert. Nur keine Katzen.

Als ich 17 war, fuhr ich mit ein paar Freunden in die Bretagne. Wir machten eine kurze Pause auf einem Waldparkplatz – und entdeckten vier junge Kätzchen. Vom Aussehen her ein Karthäuser, ein Siam und zwei Europäisch Kurzhaar. Mitten im Wald. Von der Mutter keine Spur. Nach längerem Warten beschlossen wir, die Kätzchen mitzunehmen. Einfacher gesagt, als getan, denn die Kätzchen wollten nicht so einfach mitkommen. Zwei Stunden brauchten wir, um die vier Fellnasen ins Auto zu bekommen. Und keine Spur von der Mutter.

Die Entscheidung war klar. Wir würden die vier Kätzchen mit nach Deutschland nehmen. Und der Siamkater würde bei mir einziehen. Ich hatte mich in das cremefarbene Fell verliebt. Begeistert erklärte ich meiner Mutter die Situation am Telefon. „Du weißt doch, dass Oma keine Katzen im Haus haben will,“ kam die ernüchternde Antwort. Ich war am Boden zerschmettert.

Wir waren vier Pärchen in diesem Urlaub und die Verteilung der Katzen ging schnell. Mein damaliger Freund würde die kleinste Katze behalten, ein anderes Pärchen die zweite Kurzhaar und ein drittes Paar würde den Karthäuser und meinen geliebte Siam nehmen. Die Formalitäten wurden beim Tierarzt geklärt und die Katzen wurden für die Einbürgerung nach Deutschland freigegeben.

Als meine Mutter mich holte bei meinen Freunden abholte, fragte sie sofort, wo meine Katze sei. Ich erklärte, sie habe mir doch die Katze verboten. Meine Mutter war überrascht. Sie hatte gedacht, ich wäre dickköpfig genug, um meine Katze doch durchzusetzen. „Wir kriegen das schon irgendwie hin.“ erklärte sie.

Es folgten zwei tränenreiche Wochen, in denen ich bei jeder Gelegenheit meinen Großeltern mein Leid klagte. Dann ließ sich meine Großmutter erweichen. Ein Siamkater, das war ja schließlich nicht irgendeine Katze, sondern etwas Besonderes. Und wenn es mir soviel bedeutete…

Begeistert rief ich meine Freundin an. Doch die war nicht bereit, den Kater herzugeben. Er hatte sich gut eingewöhnt und sie und ihr Freund hingen inzwischen an dem Tier. Und überhaupt, es wäre doch schade, die beiden Kater zu trennen, oder. Da hatte sie natürlich Recht. Und ich hatte Pech.Der wunderschöne Siam-Kater würde nicht bei uns einziehen.

Meine Mutter war aber nicht bereit, aufzugeben. Schon immer fantasiereich, erklärte sie wahrheitsgemäß, dass wir die Siamkatze nicht haben konnten, aber eine der beiden Hauskatzen. Was zwar nicht stimmte, meine Großeltern aber glaubten. Stattdessen fuhren wir ins Tierheim. Dort suchte sich ein grau-weiß getigerter Kater meine Mutter aus. Er war noch jung und stammte aus dem Wurf einer Streunerin. Und er zog bei uns ein.

Ich taufte ihn auf den Namen Tinker. Irgendwie kam der aber bei unserer Tierärztin nicht korrekt an. „Stinker,“ rief sie, „das ist doch mal ein toller Name für einen Kater!“ Fanden wir auch. Nur Oma nicht. Sie ließ sich durch nichts in der Welt davon abbringen, den Kater „Minka“ zu rufen.

Als ich an die Uni ging blieb Stinker bei meiner Mutter. Dort hatte er unbegrenzt Zugang zu unserem Garten und einer großen Nachbarschaft. Eines Tages schleppte sich Stinker unter Schmerzen nach Hause. Sein Becken war zertrümmert. Ob das die Folgen eines Autounfalls waren oder ihn jemand verprügelt hatte, konnten wir nicht feststellen. Er war ein geduldiger Patient und wurde wieder fit. Leider starb er aber etwas über ein Jahr nach dem Unfall an einem Blutgerinnsel, dass wohl eine Folge des Unfalls war. Ihm folgten eine Vielzahl von Katzen in Haushalt meiner Mutter.

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